Die Klosprengung und die verpassten Erdbeben?

San Martin de los Andes, Argentinien. Wir sind wieder mal hier, in Argentinien. Alle guten Dinge sind eben drei. Und auch heute gab’s natürlich wieder Stress an der Grenze, wie soll’s auch anders sein. Das nächste Mal trink ich auf jeden Fall mindestens ne halbe Flasche Wein, bevor ich den Beamten gegenübertrete. Das hält man doch nüchtern nicht aus. Ai ai ai. Aber von vorne. Bevor ich von Argentinien berichte, erstmal alles, was uns in Chile seit dem Autokauf widerfahren ist. Mehr als 7 Unterhosen haben wir übrigens immer noch nicht im Gepäck.

Days travelled: 177
Distance travelled by car: 47.385 km (davon 10.245 in Südamerika) 36140
Beds I slept in: 67 (includes cars & campers)
Countries: 7

imageOk, ich bin jetzt schon gut 6 Wochen in Südamerika. Ich bin dort, wo ich schon immer mal hin wollte. Während Katjas Wunschziel Südafrika war, war’s bei mir definitiv Südamerika. Warum? Keine Ahnung – wohl wegen meiner Lieblingssprache Spanisch und der Herausforderung, dass hier jedes Wort in jedem Land eine andere Bedeutung hat. Da spricht eine Kathi dann schonmal von Geschlechtsverkehr, obwohl sie eigentlich nur mitteilen möchte, dass die andere Person telefonisch nicht erreichbar war… Wörter bedeuten in Chile oft was anderes als in Spanien, oder aber auch in Argentinien. Woher soll man’s aber auch wissen? 😉

Gut, ich fühl mich an vielen Orten auf der Welt wohl. Gib mir gute Gesellschaft, tolle Gespräche und eine Flasche Wein und ich bin glücklich. Das hatte ich in Südafrika. Das hatte ich in Namibia. Aber hier in Chile gibt’s zusätzlich noch den unglaublichen Sternenhimmel und die unglaubliche Naturvielfalt. Und die Mentalität der Latinos. Das ist mein Ding, genau mein Ding…

Und so werden aus einer Flasche Wein auch gern mal zwei oder drei. Verständlich, oder? Schließlich gibt’s hier auch nur guten Wein 🙂 Bin übrigens mittlerweile auch im Rotweinalter angekommen. Seit Südamerika gibt’s nur noch roten. Das kommt mit dem Alter – schließlich geh ich stark auf die 27 zu…

So auch am Weindienstag – allgemein bekannt als Valentinstag. Agi und ich tranken den Rotwein stilvoll aus der Flasche. Gläser gab’s nicht. Wir saßen auf der Dachterrasse unseres Hostels in Mendoza, Argentinien und beobachteten die Sterne und das wilde Restauranttreiben unter uns. Sams stand in Nachbars Garten. Unser gebuchtes Dreierzimmer entpuppte sich als 8er-Zimmer mit eingebautem Tornado. Der Ventilator wehte alles weg. Aber die Sache mit den Hostels und AirBnBs in Argentinien ist nochmal ein eigenes Kapitel 😉

Santiago und das Verkehrschaos

Rauf den Berg!
Rauf den Berg!

Wer in Santiago Auto fahren kann, schafft das überall auf der Welt. Bali war schon ein Fall für sich, aber Santiago,… Nur Einbahnstraßen und Busspuren. Und rote Ampeln, bei denen man nicht stehen bleiben muss. Und Hubbel, die nicht angeschrieben sind. Und Schlaglöcher so groß wie Gullideckel – so tief wie Badewannen. Und Kreuzungen, bei denen nie jemand weiß, wer jetzt genau Vorfahrt hat. Ellbogenprinzip geht immer. Und weil die Straßenregeln hier eh egal sind, fährt Agi auch gern mal mit 110 kmh statt 30 dem Sonnenuntergang entgegen. Für so einen Sonnenuntergang macht man doch alles! Oh und dann war Agis Akku leider leer. Haha, meine Agi 🙂 Katja und ich fahren mittlerwele nach dem Motto: 40er Schild und danach ein 20er Schild bedeutet 60. Weil 40 + 20 = 60, oder? Alle anderen fahren eh 100. Da geht 60 ja noch 😉
Santiago find ich aber generell eine sehr schöne Stadt. Gut, die ersten zwei Wochen war die Stadt in krassen Smog gehüllt – aufgrund der enormen Waldbrände um die chilenische Hauptstadt herum. Aber die Berge drum herum, die vielen Parks etc. – schön. Die Metro is zwar mit ihren vielen Stufen alles andere als behindertengerecht, aber dafür gibt’s uber (Konkurrenz für das klassische Taxi, viel günstiger) – falls ich Sams mal stehen lassen will 🙂
Unweit der Stadt liegt der cajón del maipo, ein tolles Fleckchen Natur mit Wasserfall uvm. Dort gab’s dann auch gleich mal authentische Empanadas aus’m Holzofen am Straßenrand. Laut Carlos (ja, noch einer – langsam reichts), dem Empanada-Mann würden die Waldbrände noch 10 Tage dauern. Hellseher? Nach ca. 10 Tagen war das Gröbste vorbei…

Tunnel in Chile: dunkel, nass, einspurig
Tunnel in Chile: dunkel, nass, einspurig

Da ich momentan weder die Zeit noch ausreichend Bock zum Blog schreiben hab, sind seit den ersten paar Absätzen wieder paar Tage vergangen. Ich sitz im Gras im Garten eines argentinischen Bauernhofs, meine Stöpsel (die ich letztens aus Versehen mitgewaschen hab) mit Latino-Musik in den Ohren. Die Sonne scheint mir auf den Bauch. Neben mir futtern ein paar Schafe vor sich hin, eine der 8 Katzen chillt neben mir und der Haushund kam grad an, um mich zu trösten. Hatte grad wieder mal einen Heul-Anfall vor Glück 😉 jaja, typisch Kathi – hör ich viele von euch sagen 🙂

Der unendliche Tunnel

Unsere Reise führte uns also erstmal von Santiago hoch in den chilenischen Norden – bis nach Iquique. Schon als wir die Stadt verließen, fühlte ich mich irgendwie unwohl. Keine Ahnung – vielleicht weil einen hier immer jeder warnt… Hohe Kriminalität und so. Na jedenfalls schlug ich den Mädls vor, dass wir uns eine Männermaske anschaffen sollten. Irgendwie bin ich seitdem die Lachnummer – warum? Das war mein Ernst. Drei Mädls werden eher überfallen als 2 Mädls und eins mit Männermaske, oder? 😉

Wir lernten auf unserer Reise nach oben tolle Menschen kennen. Erick, der Besitzer des Hostels Sherpa in Illapel ließ uns morgens auf seinem Quarzsteinbett im Garten Energie tanken und freute sich wie ein Schnitzel, als wir auf unserer Rückreise nach Santiago nochmal vorbeischneiten. Da wurde dann auch gleich mal ein Grillfest sowie eine anschließende Poolparty veranstaltet. Danke, Erick! Wir fühlten uns zu Hause! Allerdings schickte uns Erick auf eine tolle Route – die wäre mega schön, man könnte sogar Papageien sehen. Papageien hab ich nich geshen, dafür stundenlang den kilometertiefen Abgrund neben mir. Übelster Schotterweg, riesen Steine… Ich hab mich nur noch festgehalten. Ich wär wirklich vor Angst fast gestorben. Aber hey – wir leben! Achso und die Aussicht war wirklich toll! Das stimmte 🙂 Kakteen wohin das Auge reicht.

Bei Erick war’s auch, als wir gleich zwei leichte Erdbeben verpasst haben. Beim ersten nachts um 2 war ich sogar noch wach, das zweite war irgendwann nachts. Nix bemerkt. Da bebt die Erde wohl ständig. Letztes Jahr gab’s eins der Stärke 9,1, bei dem einige Menschen ums Leben kamen und vieles zerstört wurde…

Am Tag zuvor führte uns ein ganz normaler Weg durch die Anden zu einem Tunnel. Er war einspurig, davor stand eine Ampel. Also alles gut. Der zweite Tunnel war ebenso einspurig. Aber da war keine Ampel. Und das andere Ende war auch nicht zu sehen. Die tapfere Agi ließ den entgegenkommenden LKW vorbei und naja – was soll man machen – dann fuhren wir drauf los. Uns erwartete Nebel, eine Schotterstraße und keinerlei Licht. Achso und kurvig war er auch noch. Wir fuhren und hofften, dass kein Gegenverkehr kommt. Aber bei unserem Glück – da sahen wir doch glatt entgegenkommendes Licht. Ende vom Lied: der Typ fuhr so lange auf uns zu, bis wir voreinander standen, plärrte dann auf uns ein und legte schließlich den Rückwärtsgang ein 🙂

Liebe auf den zweiten Blick

Nationalpark in Chile
Nationalpark in Chile

In Chile verliebt hab ich mich dann im Nationalpark Pan de Azucar. Dann auf den zweiten Blick nach all dem Stress in Santiago… Dieser unendlich weiße Strand, die Anden im Hintergrund und keine Menschen. Unbeschreiblich. Aber Chile ist viel mehr als das. In Chile gibts Strand und Meer, aber auch Berge und Wüste, vor allem viel Wüste. So viel zum Norden. Der Süden ist voller Seen und grüner Felder. Also das krasse Gegenteil. Dieses vielfältige Land hat mein Herz erklommen. Die Atacama Wüste ist dabei eine der trockensten der Welt. Selbst die Gegebenheiten der Wüste ändern sich dabei alle 100km. Ab und zu sieht man dann sogar eine uralte Eisenbahn durch die Wüste gurken. Und die Menschen sind genau mein Ding. Von Früh bis Spät spanisch sprechen, die Latino-Gelassenheit, die Leichtigkeit… Und was ich liebe: die unzähligen Verkaufsstände von Obst, Gemüse, Honig, Käse uvm. Aber bald is hier auch Winter. Wtf? Scheiße. Auf Winter hab ich ja gar keinen Bock.

Der erklommene Berg

Erklommener Sandberg
Erklommener Sandberg

Und dann gab’s da noch ein Erlebnis, das mir wohl noch länger in Erinnerung bleiben wird. Der Nationalpark valle de la luna bei San Pedro de la Atacama. Ein super beeindruckendes Stückchen Erde. Da sind wir u.a. bis auf 4.000 Meter Höhe hoch. Viele Menschen gucken sich dort den Sonnenuntergang an, so hatten auch wir geplant. Dass man dafür aber einen Sandhügel besteigen muss, hatte mir keiner erzählt. Ich wollte unten schon aufgeben, dann nochmals auf der Mitte. Aber die Mädls haben mich doch tatsächlich bis oben mitgeschleppt. Irgendwann packte mich auch selbst der Ehrgeiz… Unter Tränen und Schweiß kam ich oben an, gerade rechtzeitig. Und als hätte der Berg von mir gewusst, lag da oben ein großer Kathi-Sitz-Stein. Und ich genoss zusammen mit Agi und Katja den Sonnenuntergang über der Atacama-Wüste… Der Abstieg war dann weniger schlimm als erwartet. Trotzdem lief ich wie auf Eiern… Meine Muskeln ließen mich das auch die nächsten Tage spüren. Aber hey – ich bin auf diesen fucking Sandberg gelaufen! (Auf dem Bild ist nur 1/10 des Bergs zu sehen)

Und jetzt noch die Klo-Story. Tollpatsch Kathi hat’s doch echt geschafft, ein öffentliches Klo kaputt zu kriegen. Alle drei wollten wir noch kurz aufs stille Örtchen, als wir einen Nationalpark verließen, bevor’s weitergeht. Katja und Agi hörten plötzlich nur noch klirrendes Porzellan und fließendes Wasser. Geschockt sprangen sie auf. Nein, ich lag nicht in einer kaputten Kloschüssel 🙂 Der Spülkasten war aus der Wand gebrochen und überflutete alles – inklusive mir 😉 Sowas kann auch nur mir passieren…

Kuriositäten in Chile:

Salzlandschaft im Atacama Desert
Salzlandschaft im Atacama Desert
  • Hier muss man sich doch allen Ernstes Klopapier vorm Gang aufs stille Örtchen kaufen. Da liegen Päckchen parat, die von der Klodame schon säuberlich (oder auch grintig) zusammengerollt wurden. Oder aber man hat im Sams ne eigene Rolle liegen, die man einfach mit rein nimmt 🙂
  • Während uns bekiffte Tramper am Strand von Tomatenstauden mitten in der Wüste berichten, finden wir tatsächlich Diverses am Wüstenstraßenrand: Ingwer, Chilis, Paprika… ‚Am g’schenkt’n Gaul… 😉 (hat wohl ein LKW verloren)
  • Ha! Google macht auch mal einen Fehler! Völlig verwirrt vor so vielen Orten mit dem Namen Taltal wurden wir darauf hingewiesen, dass Google das wohl in Maps verkackt hat – es gibt genau einen Ort namens Taltal in Chile. Aber der ist keinen Besuch wert – kein Netz weit und breit und ne böse Omi im Hostel Agua y Menta.

Endlich ab nach Argentinien, oder nicht?

Pinguine am punto choros
Pinguine am punto choros

Nach unserem Ausflug in den Norden Chiles ging’s wieder nach Santiago – die Papiere abholen. Dieses Glücksgefühl, als ich sie in den Händen hielt… Nach einer Nacht in Santiago ging’s dann nach Argentinien. Endlich. Agi wollte da ja schon lange hin, auch Katja und ich… Wohooooo! Mit Papieren kann man die Grenze ja auch endlich überschreiten. Richtig, MIT Papieren… Agi hatte an der Grenze wohl kurz einen Anflug von „ach ich hab doch keinen Bock auf Argentinien“ und warf alle (!!!) Papiere in die Luft. Es war windig, da oben auf 3000 Metern in den Anden… Und wie’s ab da weiterging, dann im nächsten Post 😉

Die Gänse kamen mir Gott sei Dank nicht zu nahe, dafür hat mich grad ein Huhn angepickt…

Sonnenuntergangs-Grüße aus Argentinien,
eure Kathi

PS: Ich hab wieder Pinguine gesehen! Yippie 🙂
PPS: Wären wir dafür gemacht, an einem Ort zu bleiben, hätten wir Wurzeln, nicht Beine.

Post Autor
Kathi

Kathi - immer fröhlich, gut gelaunt und meist mit einem Lächeln auf den Lippen anzutreffen. Verliebt in Spanien, leicht zum Lachen zu bringen, optimistisch und pünktlich...



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