Südamerikanische Totenhäuser und der „Flugzeugabsturz“

Abadiânia, Brasilien. Letztens war ich spontan auf einer Hochzeit. What? Ja fragt mich nicht, wie das ging… Auf einmal wurd ich eben eingeladen – von einem Gast. Die Hochzeit war aber sowieso ein Ding für sich. Andere Länder und so… Trotz Agis „ich werf mal alle Sams-Papiere in die Luft“-Aktion haben wir’s doch noch nach Argentinien geschafft und jetzt sogar nach Brasilien. Nur so viel zu Beginn: Andere lernen die Natur sowie andere Backpacker in Südamerika kennen. Ich Hinterhöfe, Werkstätten und den Humor der südamerikanischen Handwerker… Und nicht zu vergessen die nervenaufreibenden Grenzübertritte…

Days travelled: 214
Distance travelled by car:  53.488 km (davon 16.348 in Südamerika)
Beds I slept in: 87 (includes cars & campers)
Countries: 8

Argentinien und Brasilien
Argentinien und Brasilien

Die Geschichte geht also an der argentinischen Grenze weiter. Agi hat die Autopapiere natürlich nicht mit Absicht einfach so in die Luft geworfen, nein. Sie sind ihr eben aus der Hand gefallen. Und der starke Wind hat’s dann nicht gerade einfach gemacht, wieder alle einzusammeln… Aber: wir hatten wieder alle zusammen. Der Grenzübertritt war dann alles andere als spaßig. Erstmal mussten wir unseren leckeren Käse noch abgeben (Obst und Gemüse hatten wir bereits aufgefuttert) und dann diese Beamten. Chilenische Beamte…. Die Deutschen sind ja schon nicht einfach. Jedenfalls hat mich das zweistündige Verfahren einige Nerven gekostet. Und es gibt für mich auch wirklich nichts schlimmeres als einen Grenzübertritt hier unten in Südamerika. Mittlerweile hab ich vier hinter mir. Der erste war – verglichen mit dem dritten und vierten – ein Kinderspiel.

Nach einer einwöchtigen Tour mit Agi durch Argentinien mussten wir nämlich wieder zurück nach Santiago. Sie hatte von dort aus ihren Flug zurück. Die Wiedereinreise nach Chile war auch easy. Katja und ich machten uns dann von Santiago de Chile aus auf den Weg in Richtung Süden, um auch Patagonien mal gesehen zu haben. Der Süden Chiles ist dabei ganz anders als der Norden: grün, grün, grün – wenn die Flächen aufgrund der riesigen Feuer nicht gerade zerstört sind. Außerdem viele Seen, Berge & Vulkane. Traumhaft. Der Grenzübertritt dort – 1000 km südlich von Santiago – war dann alles andere als feierlich:

Tja, Fräulein. Sie dürfen nicht ausreisen. Blablabla…

Ichigualasto Nationalpark
Ichigualasto Nationalpark

Irgendwas passte wohl nicht, da ich (noch) keine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung in Chile habe. Gut, dass ich eine Vollmacht des Vorbesitzers hatte, die mir den Grenzübertritt erlaubte. Ja und der Übertritt nach Brasilien einige Wochen später schoss dann den Vogel ab. Motzte mich der Beamte nicht an, ich solle meine Klappe halten, wenn ich kein portugiesisch spräche. Da dacht ich dann wirklich – wtf? Was soll denn der Scheiß? Wie rassistisch kann man denn bitte sein? Irgendwann standen dann 6 Polizeibeamte vor uns, die auf portugiesisch auf mich einlaberten. Klar, ein paar Brocken und soviel, dass mir wohl ein grüner Zettel fehlt, hab ich verstanden… Weitere 2 Stunden gewartet. Irgendwann kam der Polizeichef und hatte mir das Dokument ausgestellt. Gratis. Wow?! Naja eh ganz nett. Das Arschloch hab ich nochmal schön angegrinst und bin gegangen.

Als dann die AirBnB- Leute am nächsten Morgen auch noch meinten, sie müssten uns über’s Ohr hauen und doppelt abkassieren, reichte es mir von Brasilien eigentlich. Und als zwei blöde Kinder einfach Steine gegen Sams warfen, erst recht. Mittlerweile mag ich Leute & Land 🙂

Die Tücken des AirBnB

Azurblaues Wasser in Argentinien
Azurblaues Wasser in Argentinien

Ich hatte ja schon angekündigt, dass wir – seit wir in Südamerika sind – eigentlich jeden Tag Probleme mit AirBnB oder Hostel haben. AirBnB ist hier wohl noch neu und wir sind bei vielen die ersten Gäste. Tja, die Leute checken das System wohl noch nicht so ganz ab und wir reservieren und bezahlen oft nur für eine Person. Unser Problem?! 😀 Nein, oft hab ich mich schon echt scheiße gefühlt, aaaaaber wir haben immer versucht, den Leuten AirBnB und deren Eingabemaske zu erklären. Da waren sie uns doch sehr dankbar. Besagtes Paar in Brasilien meinte jedoch, uns bar abkassieren zu müssen, das liefe bei ihnen immer so. Nix da – wir haben schon via Kreditkarte bezaahlt. Die machen das wohl öfter so und kassieren den doppelten Betrag. Wir haben natürlich noch vor Ort bei AirBnB angerufen. Die wurden dann vorerst gesperrt 😉 Aber auch mit diversen Hostels hatten wir so unsere Probleme. Weil uns booking nervt, haben wir irgendwann beschlossen, einfach persönlich anzurufen. Joa, nur dass wir dann mal ankamen und einfach unsere reservierten Betten nicht mehr da waren… Nicht mal ein „tschuldigung“ kam. Naja…

Die Straßen Argentiniens sind ein Horror. So viele Schlaglöcher hab ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Ganz abgesehen von den Vorfahrtsregeln hier. Kein Plan wer hier Vorfahrt hat. Immer der, der fährt wohl… Man trifft dann auch einfach mal auf einen Kreisverkehr aus Schotter mitten auf der Autobahn. Dass Leute einfach so über die Autobahn laufen fällt mir schon gar nicht mehr auf. Das macht man wohl nur bei uns in Deutschland/Österreich nicht.

Der kranke Sams

Brasilien, Südamerika
Brasilien, Südamerika

Und am Tag, an dem wir eigentlich nach Chile hätten zurück müssen, um Agi abzuliefern, wurde Sams krank. War ja klar… Erst dachten wir, er hat nur ein Loch im Reifen. Das war auch gleich geflickt. Bei genauerem Anblick der restlichen Reifen fiel jedoch auf, dass zwei wohl komplett im Eimer sind. Ich sag ja, diese Schlaglöcher… Er hat also zwei neue Vorderreifen bei Michelin bekommen. Sams reicher, Kathis Geldbeutel ärmer. Naja… 🙂 Seine Hupe hat auch schonmal nicht mehr funktioniert. Eines Morgens testete Katja und sie ging…. Whoop whoop 🙂

In Brasilien ging dann plötzlich – am Morgen, als uns die AirBnB-Leute ausbeuten wollten – seine Klima nicht mehr. Na herzlichen Glückwunsch. Es hieß also schwitzen. Aber das waren wir ja von Namibia noch gewohnt. Die Klima von Toni, unserem ersten Flitzer der Reise, gab auch den Geist auf und wir mussten 8 Stunden bei 40 Grad fahren. Na, Gott sei Dank sind die Brasilianer ja im Großen und Ganzen recht liebe Menschen. Marlis (der wohl liebste Mensch Brasiliens) Sohn Filipe half uns gerne und fuhr von Klima-Mensch zu Klima-Mensch. Aber ein gutes Gefühl dabei, Sams über Nacht auf einem Hinterhof stehen zu lassen, hatte ich nicht. Wir fuhren also in die nächste Stadt weiter am nächsten Morgen. Dort stießen wir auf ein liebes aber doch echt merkwürdiges Paar via AirBnB. Katja wollte ihren Geburtstag auf einem Bauernhof verbringen. Ja, das war’s auch… allerdings die Luxus-Variante. Sie, ein junges Mädl, das den ganzen Tag vorm TV hockt und sich von den Bediensteten bedienen lässt, er ein mitt-40er, der tagsüber arbeiten geht und abends noch stundenlang kocht. Super nett, keine Frage. Allerdings war ich dann doch froh, als ich das Haus nach 2 Nächten verlassen konnte. Er ist steinreich (eigenes Vereinsheim aufm Grundstück, in dem wir zu viert gegrillt haben – typisch brasilianisch: Churrasco). Er war dann auch so lieb und fuhr mit mir in eine Werkstatt. Klima wurde gefixt (durchgebrannte Platine) sowie meine Bremslichter (oops) und ein weiteres Licht. Dabei sprach er ausschließlich portugiesisch. Der Mechaniker auch. Verstanden hab ich alles – auch wenn er manches 5x wiederholen musste 😉 Und warum genau war er jetzt so komisch? Er brandmarkt ALLES, was ihm gehört mit seinen Initialien. Kühe (ja, ok), seine Freundin mittels Tattoo und sogar Sams hat er in Beschlag genommen. Sams hat jetzt einen wunderschönen (not!) Aufkleber hinten drauf 🙂 Aber hey – guten Wein hatten sie. Das war’n dann gleich mal 5 Flaschen zu dritt an einem Abend 🙂

Was uns so passiert ist:

  • Wir hatten Hunger, mitten in der Wüste. Sams wurde am Straßenrand geparkt, wir setzten uns auf den Sandboden und da war ein Stein, der zufällig recht flach war. Der perfekte Tisch zum Schneiden. Ruhe pur. Nein, auf einmal fing Sams an, ununterbrochen zu piepen. Warum? Ja das fragten wir uns auch eine halbe Ewigkeit. Irgendwann probierte Katja, das Innenlicht auf off und nicht automatisch zu stellen. Es half! Sams gab Ruhe und wir speisten in Frieden 🙂
  • Dass Katja und ich offensichtlich aussehen wie Schwestern, ok. Das haben uns schon sehr viele Leute gefragt… Aber dass ich jetzt für die Mutter von Agi und Katja gehalten wurde. Whaaaaaat? Schlag in die Fresse. Ich muss wohl viele Falten bekommen haben…
  • Positiv: Ich wurde bereits vermehrt für eine Chilenin gehalten. Yessssss 🙂 Ein Beamter wurde sogar mal ganz sauer, weil er meinte, ich lüg ihn an. Ich könne nicht Deutsche sein 🙂

Kuriositäten Argentiniens

  • In Argentinien stehen auf ganz vielen Autos am Straßenrand Wasserflaschen. Wieso? Na, die stehen zum Verkauf. Ist doch logisch!! 😛
  • Südamerikaner ungeduldig? Ja, dachten wir. Viele Mautstraßen gibts. So kamen wir auch eines Nachmittags an eine solche Mautstelle. Ca. 15 Fenster offen (alle). Wir halten, plötzlich fangen alle um uns rum zu hupen an. Ähm hallo? Als ob das was bringen würde? Wir mussten gut lachen, weil ähm… wo gibt’s denn sowas? Und dann passierte das Unglaubliche: Alle Schranken wurden geöffnet und jeder durfte kostenlos durchfahren. Wait, what?
    Tja, es gibt wohl ein Gesetz, das besagt, dass man an einer Mautstelle nicht länger als 5 Minuten warten darf, ansonsten würd sich ja das nix bringen, auf der schnelleren Route zu fahren und dafür Geld zu zahlen. Logisch, oder? Sprich, sie müssen aufmachen 🙂 Und um zu signalisieren, dass es schon 5 Minuten sind wird gehupt 🙂
  • Blaulicht hat in Südamerika nix zu sagen. Während bei uns brav eine Rettungsgasse gebildet wird, ist das hier den Leuten relativ egal. Traurig. Aber auch sonst überholen die Blaulicht-Autos nicht, auch wenn’s gehen würde. Das ist wohl oft auch einfach nur so an und hat keine Bedeutung.

Totenhäuser und massig Plastikflaschen

Während bei uns ein Kreuz aufgestellt wird, wenn jemand auf der Straße stirbt, bauen Argentinier und Chilenen Totenhäuser. Die variieren in Größe und Farbe(n). Von der Größe eines Hundehauses bis eines Gartenhäuschens gibt’s alles. Und der Farbenvielfalt sind keine Grenzen gesetzt. Sieht ja ganz hübsch aus. Aber die 1.000en Plastikflaschen, die drum herum liegen, lassen das alles wieder gar nicht mehr so schön aussehen. Anfangs als Müll abgestempelt, wurde ich – nach meinen Nachfragen – eines Besseren belehrt: Es gibt dazu eine Geschichte. Vor vielen, vielen Jahren ging eine junge Argentinieren wohl zusammen mit ihrem Sohn einen langen Weg, um ihrem Mann zu folgen. Sie verdurstete auf dem Weg, der Sohn überlebte. Leute legen heute Plastikflaschen (ca. halb voll) neben Totenhäuser, um den Toten Wasser zu geben…

Das geköpfte Huhn

Das tote Huhn und seine Freunde
Das tote Huhn und seine Freunde

Argentinien durchquerten wir dann einmal von West nach Ost und über Buenos Aires (Gepäck geholt – wohoooo) nach Brasilien. Wir landeten für einen Tag auf einem tollen Bauernhof und blieben glatt drei Nächte 🙂 Zuckersüßes Paar – Psychologin & Anwalt – die die Natur und Tiere einfach lieben. Wir fühlten uns super wohl. Und als wir dann gemeinsam zwischen Schafen, Gänsen und Schweinen ein Huhn schlachteten und verspeisten, war unsere Bauernhof-Erfahrung bereichert 🙂

Buenos Aires wollten wir schnell wieder verlassen, die Straßen wurden immer schlechter. Und mehr wollen wir über diese Stadt auch gar nicht berichten. Auf dem Weg von dort in Richtung Norden landeten wir bei einer lieben Frau – sie ist mittlerweile wie eine argentinische Ersatzmutti geworden. Sie meinte, ich könne mich immer auf sie verlassen – wenn Katja weg ist und ich irgendwas brauche…. 🙂 Süß!

Was Klos auf der Welt anbelangt, könnte ich ja mittlerweile Bücher füllen. Während die Balinesen kein Klopapier sondern Klo-Brausen verwenden, müsst ihr euch die brasilianischen Klos wie eine weiche Ledercouch vorstellen. Der Ring ist weich, man sinkt ein. Nur, dass es keine Ledercouch ist, sondern ein ekelhafter Weichplastik-Sitz. Und dann kommt noch hinzu, dass man hier das Klopapier in den Mülleimer nebenan wirft. An das muss man sich auch erstmal gewöhnen. Aber hey – immerhin haben sie dickes Klopapier… 😉

Die Braut, die sich nicht traut

Also auf die Hochzeit bin ich einfach so gestoßen – da war Katja schon nicht mehr da. Die Zeremonie im Garten. Die Braut ließ 1 Stunde auf sich warten. Die Worte des Brautpaars rührten mich zu Tränen. Zeremonie nach 30 Minuten vorbei, man könne heimgehen und sich kurz umziehen. Danach trifft man sich in der Bar. Ja ok, dass wir geschlagene 3 Stunden warten mussten, war uns nicht klar 😉 Gefeiert wurde dann noch für 2,5-3 Stunden. Alle, wirklich alle haben getanzt! Sowas hab ich noch nicht erlebt 🙂

Der vermeintliche Flugzeugabsturz

Und zum Schluss noch eine Kathi-Blödheit. Wir standen im Stau, im Wald. Vor uns viele LKWs, hinter uns viele LKWs. Sie fingen an, Picknick zu machen, wir UNO zu spielen. Schreit der eine zum anderen:

Hey – was ist passiert?
Ach, da ist ein Flugzeug abgesürzt.

Wait what? Seriously? Naja, ich brauchte kurz 1 Minute, um mir das Gehörte nochmals zu verinnerlichen. Flugzeug und LKW hören sich im Spanischen leider relativ ähnlich an. Und wenn die Leute dann auch noch undeutlich sprechen und weit weg stehen, naja… 😉 Es war also ein LKW abgestürzt, den Hang runter… Nix da Flugzeug 🙂

So und seit drei Wochen bin ich jetzt also alleine unterwegs. Was mir seitdem alles wiederfahren ist, gibt’s bald. Nur so viel: Ich werde oft angegafft wie eine Außerirdische. Chilenische Frau in chilenischem Auto, alleine unterwegs? Die Frau hat Eier. Und wenn den Leuten dann noch klar wird, dass ich Deutsche bin und Sams als Ausländerin in Chile gekauft habe, bekommen viele den Mund gar nicht mehr zu. Was für mich als Europäerin nix Besonderes ist, ist für die Menschen hier unglaublich. Ich werde mit offenen Armen empfangen. Gerade hause ich bei einem Polizisten 🙂

Ich grüße euch,
eure Kathi

PS: Es gab übrigens schon wieder Probleme mit Sams‘ Papieren…
PPS: Eine weise Frau, der ich auf meiner Reise begegnet bin, meinte letztens:
You have to accept where you belong.

 

GEWINNSPIEL

Wer mir den Namen von zumindest einem dieser Tiere verrät, bekommt wieder eine Postkarte 🙂 Antworten gerne in die Kommentare, Facebook oder per Mail 🙂

 

Post Autor
Kathi

Kathi - immer fröhlich, gut gelaunt und meist mit einem Lächeln auf den Lippen anzutreffen. Verliebt in Spanien, leicht zum Lachen zu bringen, optimistisch und pünktlich...



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