Posttraumatische Belastungsstörung und der Weg zu mir selbst

Über den Wolken in Richtung Süden, Südamerika. Jetzt sind es schon 13 Monate und 1 Tag seitdem ich unterwegs bin. Und ich muss sagen, die Zeit vergeht wirklich wie im Fluge. Ha, gutes Stichwort: Flug. Die einzige Freizeit, in der ich zum Bloggen komme. Also ratet mal, wo ich gerade bin? Genauuuuuu. Neben mir sitzt ein heißer Afrikaner, der mir doch glatt meinen Fensterplatz klauen wollte. Er verstand weder Englisch noch Spanisch, lediglich Zeichensprache. Schönheit hin oder her. Meinen Fensterplatz geb ich nicht her. Damit ist er heute schon der zweite, der diesen Platz in Beschlag nehmen wollte.

Days travelled: 424
Distance travelled by car: 67.531 km 
Beds I slept in: aprox. 128 (includes cars & campers)
Countries: 11

Traumatisierte Kathi?

Bye bye mexikanische Familie
Bye bye mexikanische Familie

Gestern saß ich am Strand südlich von Los Angeles. Ich blickte aufs Meer und schwupps, was war das? Die Erde bebte kurz. Hilfe. Und plötzlich kamen ein paar echt riesige Wellen an. Mein Herz war mir wieder mal in die Hose gerutscht. Ich bin seit dem krassen Erdbeben von vor 3 Wochen in Mexiko-Stadt wirklich ziemlich sensibel. Dabei war ich nicht die einzige, die’s gespürt hat. Man sagt mir nach, ich hätte ein PTSD (post traumatic stress disorder = posttraumatische Belastungsstörung). Ständig denke ich, dass sich alles unter mir bewegt. Und das ist auch wirklich oft der Fall. In den Gegenden, in denen ich mich aufhalte, bebt’s täglich einfach unzählige Male. Nur sind die meisten Beben eben nicht wirklich spürbar. Tja, ich spür sie schon… nennt mich Katze. Oder Hund. Oder was weiß ich für ein Tier. Tiere spüren es, wenn Beben kommen… Hat jemand einen Tipp, wie ich dieses PTSD wieder losbekomme? 🙁

Ich sitz also heut schon zum zweiten Mal im Flieger. Erst von Los Angeles nach Panama (6,5h) und jetzt nach Santiago de Chile (6,5h). Ich muss mich übrigens berichtigen, er ist aus Haiti, ich hab ihn grad beim Ausfüllen des chilenischen Einreiseformulars beobachtet 😉 Chile hat ein „Flüchtlings-Problem“ – so nennen sie’s zumindest.. Massen an Haitianern flüchten täglich nach Chile… Chile versucht auch gerade damit gut umzugehen… Aber warum eigentlich schon wieder nach Chile? Naja, ihr wisst ja, mein Lieblingsland und so… Naja und die Latinos sind nicht ganz ohne 😉

Auf dem Boden liegende Kathi
Auf dem Boden liegende Kathi

Eben am Flughafen musste ich übrigens gut 5 Stunden warten, hab mich also auf den Boden gelegt, um ein bisschen zu schlafen. Geweckt wurde ich von einem unsanften Tritt in die Seite. Ein kleines Mädchen hatte wohl Spaß dran.

Mama, wo fliegt die hin?

Die Mutter guckte mich nur beschämt an: Sorry…

Naja, aus die Maus. Das war’s dann mit dem Schlaf. Ich warte übrigens sehnsüchtig aufs Mittagessen. Das haben sie schon angekündigt, als wir noch nicht mal oben in der Luft waren. Und ich hab sooooo Hunger. Das Essen am Flughafen in Panama ist einfach schweineteuer. So viel Geld hab ich nicht…

Reise-Outfit: Hauptsache bequem

Bevor’s in den Flieger ging, bin ich nochmal kurz aufs Klo und hab mein Spiegelbild erblickt. Oh Gott! Kathi, bist du das? Wenn ich 13 Monate zurückdenke, so wär ich damals nie rumgelaufen. Ungeschminkt, Dutt, die bequemste Hosen aller Hosen, ein Shirt, das nicht mal farblich dazu passt, ein Sport-BH in knalligem korall, meine Nike-Sneaker. Es ist einfach so bequem und mir ist’s mittlerweile einfach sowas von scheiß egal. Ich glaube, man wird einfach so, wenn man reist. Ich weiß noch, die ersten 1-2 Wochen hab ich mich immer noch geschminkt. Irgendwann wurd mir das dann aber zu blöd. Und diese Sport-BHs sind einfach so bequem. Hach… Kurz und knapp: Die Kathi in Kleidchen mit Schmuck und riesen Schal gibt’s (momentan) nicht mehr. Ich muss allerdings zugeben, dass ich meinen Kleiderschrank von Zeit zu Zeit vermisse…

Kathi arbeitet am Flughafen in Panama
Kathi arbeitet am Flughafen in Panama

Ich merke, wie mich Leute manchmal angucken. Die sind ja nur neidisch auf diese Hose! Ha! Diese Blicke machen mich irgendwie stolz. Stolz darauf, dass ich nix mehr auf die Meinung Anderer gebe. Lange genug hab ich mich dem Gesellschaftsbild angepasst! Ich hab mittlerweile auch nicht mehr wirklich ein Problem, im Bikini am Strand rumzulaufen. Ihr wisst ja alle, dass ich keine 90-60-90-Figur hab. Aber hey, scheiß drauf. Who cares?

Seit 7 Monaten treib ich mich nun schon alleine in Lateinamerika rum (gut, 3 Wochen Kalifornien waren auch dabei). Ich erinner mich noch zu gut daran, als Katja sich dafür entschied, zurück nach Deutschland zu gehen und ich überhaupt nicht mehr wusste, was ich will. Sollte ich auch zurück? Könnte ich das wirklich alleine?

Reisen auf eigene Faust: Freiheit pur

Oh Gott, ich bin so unendlich froh, dass ich alleine weitergemacht habe. Es ist eine ganz andere Art zu Reisen geworden. Ohne Katja hätte ich das Ganze wohl nie gestartet, daher bin ich ihr echt dankbar, dass wir unsere Weltreise gemeinsam begonnen haben. Allerdings bevorzuge ich mittlerweile das Reisen alleine, ganz auf eigene Faust. Ich könnte mir momentan nicht vorstellen, wieder mit jemandem loszuziehen. Man ist doch zu sehr eingeschränkt, man kann einfach nicht frei tun und lassen, was man möchte. Schließlich muss man Rücksicht nehmen. Jetzt tu ich einfach wonach mir ist. Ich geh abends raus, ich chill am Strand, ich mach eine Stadttour, ich quatsch Straßenverkäufer und Fremde am Strand an, ich lass mich von Barkeepern einladen, ich sitz in der Sonne, ich genieß eine Piña Colada (ohne Alkohol natürlich), ich quartier mich einfach mal 2 Wochen bei einer mexikanischen Familie ein, ich buch meinen Flug um, weil ich einfach das Gefühl hab, hier gehör ich hin…

Dieses Gefühl der Freiheit ist einfach unbeschreiblich. Keiner, der dich zurückhält. Keiner, der da grade keinen Bock drauf hat. Alleine Reisen ist einfach großartig.

Hier gehör ich hin, hier muss ich noch bleiben…

Meine kalifornische Homebase
Meine kalifornische Homebase

Genau dieses Gefühl lasse ich in letzter Zeit mehr und mehr zu. Deshalb hab ich auch in den letzten Wochen den ein oder anderen Flug umgebucht. Und das ist ok. Wenn ihr es zulasst, spürt auch ihr es: Euer Leben ist vorprogrammiert. Nichts passiert aus reinem Zufall. Rein gar nichts… Menschen treten in euer Leben, weil sie eine Bedeutung auf eurem Weg haben. Entweder sie kommen, um euch eine Botschaft zu überbringen, oder aber sie bleiben für längere Zeit, weil ihr etwas von ihnen lernen müsst.

Ich gucke aus dem Fenster. Neben mir immer noch der schöne Mann. Unter mir kleine Wölkchen. Es ist eine wunderschöne Aussicht. Hier oben fühl ich mindestens so viel Freiheit wie beim alleine Reisen.

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein…

Kalifornisches Hochzeitspaar (Bericht folgt)
Kalifornisches Hochzeitspaar (Bericht folgt)

Langsam aber sicher fange ich an, dankbar dafür zu sein, dass ich diese Muskelschwäche habe. Warum? Spinnt sie jetzt? Nein, wie gesagt hat alles seinen Sinn. Mein Weg ist es, gesund zu werden. Und auf diesem Weg gehe ich einige Umwege, oh ja. Und das ist mir durchaus bewusst. Aber auf diesem Weg treffe ich viele Menschen, die mich in die richtige Richtung lenken. Ich muss rausfinden, wie ich gesund werde, um dann anderen helfen zu können. Ja, das ist meine Mission… Langsam aber sicher finden sich Puzzlestücke zu einem Ganzen zusammen. Ob das jetzt bedeutet, dass ich eine handlesende Hexe werde (Gott bewahre!), oder mich aber näher mit Magnet-Therapie oder aber der Medizin der Maya befasse, wird sich herausstellen. Auf jeden Fall wird meine Reise von Tag zu Tag spannender. Meine Reise zu mir selbst, zum Sinn meines Lebens…

Nicht zufällig hat mich letztens ein wildfremder Typ auf dem „Stadtplatz“ in Mérida angesprochen, hat mir völlig random von seinem Opa erzählt und mich dann zu einem Mexikaner gebracht, der energetische Arbeit der Mayas praktiziert…  Und dann ist das Magische passiert. Ich hab Energie gespürt. Jetzt weiß ich, wie sich Energie anfühlt… Oh Gott und es war umwerfend!

Warum läuft dieser Typ genau auf mich zu?

Eure Kathi

Ein Tag geht über den Wolken zu Ende
Ein Tag geht über den Wolken zu Ende

PS: Reisen (von Gabriel García Márquez, übersetzt von Kathi Maier)

Zu Reisen ist sein Zuhause zu verlassen,
Freunde zu verlassen,
versuchen zu fliegen.
Fliegen und andere Zweige kennenzulernen,
Wege zu gehen,
ein Versuch etwas zu ändern.
Reisen ist sich verrückt zu kleiden,
zu sagen „ist mir egal“,
zurückkommen wollen.
Zurückzukommen und die kleinen Dinge wertzuschätzen,
ein Getränk zu genießen,
beginnen wollen.
Reisen ist sich als Dichter zu fühlen,
ist, einen Brief zu schreiben,
ist, umarmen zu wollen.

Umarmen beim Erreichen einer Tür,
sich nach Ruhe zu sehnen,
ist, sich küssen zu lassen.
Reisen ist weltlich zu werden,
andere Leute zu treffen.
Reisen ist von vorn anzufangen.

Die Hand auszustrecken,
von der Stärke zu lernen,
ist, Einsamkeit zu fühlen.
Zu Reisen ist sein Zuhause zu verlassen,
sich verrückt zu kleiden,
alles und nichts mit einer Postkarte zu sagen.

In einem anderen Bett zu schlafen,
zu spüren, wie schnell die Zeit vergeht.
Reisen ist heimzukommen.

Post Autor
Kathi

Kathi - immer fröhlich, gut gelaunt und meist mit einem Lächeln auf den Lippen anzutreffen. Verliebt in Spanien, leicht zum Lachen zu bringen, optimistisch und pünktlich...



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